
Ein Symposion des "Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts" der Universität Jena und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam.
Die Frage nach der Bedeutung der "Mitlebenden" (Hans Rothfels) für die Produktion historischen Wissens hat die Zeitgeschichtsforschung bereits im Moment ihrer Neuerfindung nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. Doch mit der wachsenden Medialisierung von Geschichte seit den siebziger Jahren hat sich das Spannungsverhaltnis zwischen Zeitzeugenschaft und Zeitgeschichte verschärft - und die "authentische" Stimme des Zeitzeugen einen immer größeren Einfluss auf die öffentliche Präsentation historischer Themen erlangt. Nicht ohne Grund konzentrieren sich die meisten Untersuchungen zur Rolle des Zeitzeugen bisher auf den Holocaust, denn in der Erinnerung der Überlebenden sind alle Dimensionen von Zeugenschaft präsent. Gerade die Debatten der letzten Jahre um die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg und die Gewalterfahrungen in den kommunistischen Diktaturen Osteuropas haben aber deutlich gemacht, dass die Figur des Zeitzeugen als Phänomen der öffentlichen Geschichtskultur ihrem historischen Entstehungskontext längst entwachsen ist. Die "Geburt" des Zeitzeugen nach 1945 und seine Entwicklung seitdem bedarf deshalb der systematisch Reflexion: Wie ist in dieser langfristigen Perspektive seine gewachsene Bedeutung zu verstehen? Ist sie lediglich Ausdruck veränderter medialer Produktionslogiken? Oder liegen die Ursachen tiefer: in generationellen Umbrüchen, in den Konjunktutzyklen einer - jedenfalls mit Blick auf Nationalsozialismus und Holocaust - zunehmend transnationalen Erinnerungskultur? Und was bedeutet der Aufstieg des Zeitzeugen für das Verhältnis von Geschichte und Erinnerung?
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